Alterungsprozess gestoppt: Kommt die Überbevölkerung?

Geschrieben von: Dennis Rudolph
Mittwoch, 23. Mai 2018 um 15:41 Uhr

Angenommen es gelingt den Alterungsprozess zu stoppen, gar umzukehren und die dadurch entstandenen Krankheiten würden verschwinden: Würde es dann zu einer Überbevölkerung kommen? Genau dieser Frage gehen wir in diesem Artikel nach.

In dieser Rubrik gehen wir der Frage nach, was passieren würde, wenn es tatsächlich gelingen würde den menschlichen Alterungsprozess zu besiegen. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit einer naheliegenden Frage: Würde es zu einer Überbevölkerung kommen? Da würden sicherlich viele gleich mit einem "ja" antworten. Aber ist diese Spontanantwort richtig? Würde es wirklich dann auch zu großen Problemen kommen?

Zunächst müssten wir vielleicht einmal klären, was man unter der Überbevölkerung überhaupt zu verstehen hat. Ich bediene mich dabei mal an einer der Definitionen, die Wikipedia zu liefern hat: "Eine sehr weitreichende Definition von Überbevölkerung sieht diesen Zustand gegeben, wenn der betrachteten Bevölkerung eine nachhaltige Lebensweise bei dem von ihr gewünschten Lebensstil aufgrund der Bevölkerungsgröße in dem zur Verfügung stehenden Lebensraum nicht mehr möglich ist. Eine sehr enge Definition sieht das Vorliegen einer Überbevölkerung erst dann erfüllt, wenn bereits Nahrungsmittel-, Wasser- oder Energieengpässe eingetreten sind und die unmittelbare Überlebensfähigkeit der betreffenden Bevölkerung in Teilen oder im Ganzen bedroht ist". Für diesen Artikel möchte ich es einfacher beschreiben: Eine Überbevölkerung wird erreicht, wenn der Planet Erde die Menschen darauf nicht mehr versorgen kann.

Wäre Überbevölkerung ein Problem?

Angenommen wir hätten eine Pille, eine Spritze oder ein ganzes Paket an Therapieren, wir würden also nicht altern und nicht an den damit verbundenen Krankheiten leiden/sterben. Folglich würden weniger Menschen sterben, Kinder würden jedoch nach wie vor auf die Welt kommen. Dann sollte logischerweise die Anzahl der Menschen auf der Erde ständig steigen, oder? Ja, sollte sie. Schon derzeit wächst die Bevölkerung auf diesem Planeten. Dies liegt jedoch nicht an den Industrienationen - hier sinken die Geburtenraten massiv und die Einwohnerzahlen werden in Zukunft aller Voraussicht nach sinken - sondern an wirtschaftlich nicht gut entwickelten Regionen. In diesen fehlt es oftmals an Wissen zur sexuellen Aufklärung und an Möglichkeiten der Verhütung. Sehr viele Schwangerschaften sind daher ungeplant. Auch die Altersversorgung wird über die hohe Anzahl an Nachkommen gesichert.

Sehen wir uns nun zwei wichtige Punkte an:

  1. Wie kann man verhindern, dass zu viele Menschen auf dem Planeten leben?
  2. Wäre es möglich sehr viel mehr Menschen zu versorgen?

Zu Punkt 1: Wie kann man verhindern, dass zu viele Menschen auf dem Planeten leben?

Hier einige Gedanken rund um eine mögliche Bevölkerungsexplosion, sofern vollständiges Anti-Aging möglich wäre:

  • Weiterhin Tote: Zunächst möchte ich einmal darauf hinweisen, dass es nach wie vor Tote geben wird. Warum dies so ist steht im Artikel Alterungsprozess gestoppt: Gibt es keine Toten mehr?
  • Verhütung:Wie weiter oben bereits beschrieben sinken die Geburtenzahlen in den Industrienationen drastisch. In vielen - nennen wir sie mal ärmeren Ländern (nicht abwertend gemeint) - fehlt es oft an Wissen im Bereich der sexuellen Aufklärung und an Möglichkeiten der Verhütung. Würden man beides stark verbessern, würden dort Unmengen an ungewünschten Schwangerschaften nicht stattfinden.
  • Verständnis in der Bevölkerung: Es wäre natürlich auch möglich die Bevölkerung über die Probleme aufzuklären. Heißt: In Fernsehen, Zeitungen, im Internet etc. würde den Menschen die Problematik mit dem Bevölkerungswachstum erklärt werden und diese würden gebeten werden möglichst wenige Kinder in die Welt zu setzen. Es sollten nur nicht diejenigen Nachwuchs bekommen, die dies wirklich wünschen. Wie aussichtsreich es ist an die Vernunft von Menschen zu appellieren, darf sich jeder einmal selbst überlegen... Dennoch denke ich, dass zumindest ein Teil der Bevölkerung dem Folgen würde. Zwangsmaßnahmen gegen eine Überbevölkerung wären natürlich auch möglich, das will ich hier gar nicht bestreiten. Jedoch stehen in diesem Artikel viele andere Punkte um das Problem in den Griff zu bekommen.
  • Verlassen der Erde: Ich weiß, ich weiß. Das klingt jetzt sehr nach Science-Fiction... Aber fassen wir diese Idee doch auch einmal ins Auge. Wieso sollten nicht einige Menschen die Erde verlassen können und auf fremde Planeten fliegen und dort Kolonien errichten? Ist es wirklich undenkbar einmal Menschen auf dem Mars leben zu lassen? Aktuell reichen unsere technischen Möglichkeiten dafür nicht aus, aber warum soll es unmöglich sein diese zu entwickeln? Es ist natürlich keine leichte Aufgabe einen anderen Planeten lebensfreundlich für den Menschen zu machen (Stichwort: Terraforming), aber es dürfte den Versuch Wert sein. Diese Idee hat übrigens nicht unbedingt etwas mit Überbevölkerung zu tun: Ein schlimmer Krieg oder eine andere Katastrophe auf der Erde könnte alles Leben auslöschen. Es würde so oder so Sinn machen Kolonien im All zu gründen.

Zu Punkt 2: Wäre es möglich sehr viel mehr Menschen zu versorgen?

Wo liegt eigentlich das Limit an Bevölkerung auf diesem Planeten? Kann die Erde 10 Milliarden Menschen verkraften? Ist bei 20 Milliarden Schluss? Bei 50 Milliarden? Wo liegt die Grenze? Kann man diese Grenzen massiv nach oben setzen?

In den großen Medien liest man immer wieder "Wir leben über unsere Verhältnisse". Das liest man oft, wenn es ums Geld geht. Man liest dies aber auch im Zusammenhang mit dem Verbrauch von Ressourcen. "Wir verbrauchen deutlich mehr Ressourcen als auf unserem Planeten neu entstehen". So oder so ähnlich lauten dann die Sätze. Aber warum ist dies eigentlich so? Was sind die tieferen Ursachen dafür? Brauchen wir diese Ressourcen überhaupt?

Ich mache mir nichts vor: Mir ist völlig klar, dass nur ganz wenige Menschen überhaupt verstehen, was auf diesem Planeten passiert. Wer versteht wie unser Finanz-und Wirtschaftssystem überhaupt arbeitet? Kaum einer. Das liegt daran, dass sich auch kaum jemand dafür interessiert. Und die Menschen mit Kenntnissen zu BWL und VWL stecken oft mit ihren Nasen so tief in Zahlen und Theorien, dass sie nicht merken, was in der realen Welt passiert. Die Wahrheit ist: Wie verschwenden ohne Ende unsere Ressourcen. Ich gehe in diesem Artikel gleich mal auf etliche Punkte zu diesem Thema ein. Wer mag kann sich jedoch auch noch das folgende Video von Youtube.com ansehen. Titel: "The Story of Stuff". Das Video ist in Deutsch.

Ich möchte hier mal ein paar Punkte herausgreifen, die das wahre Ausmaß der Verschwendung zeigen:

  • Elektronik: Schon einmal von geplanter Obsoleszenz gehört? Von Sollbruchstellen? Vielleicht ja, spätestens bei "mangelhafter Qualität" sollte es jedoch bei jedem klingeln. Viele Elektronik-Produkte heutzutage werden so entwickelt, dass sie keine sonderlich lange Überlebensdauer haben. Nach einigen malen Nutzung landen sie ruckzuck im Müll. Es gibt dabei im Ingenieur-Bereich sogar extra Kurse, die sich damit befassen, wie man Produkte schneller altern lassen kann. Und andere Kurse, die zeigen, wie man die Leute mit kleinen Designänderungen und entsprechendem Marketing zum Kauf eines neuen Produktes bewegen kann, obwohl das alte noch gut funktioniert und sie das neue Produkt gar nicht brauchen.
  • Nylonstrumpf: Es gibt kaum ein besseres Beispiel für den Unsinn in unserem Wirtschaftssystem als der Nylonstrumpf. Für die Herren: Als Nylonstrümpfe bezeichnet man Strümpfe oder Strumpfhosen aus Polyamid oder ähnlichen Mikrofasern. Diese sind extrem kurzlebig, zum Beispiel wegen schnell entstehender Laufmaschen. Das war nicht immer so: Die Nylonstrümpfe wurden einmal so weit entwickelt, dass diese extrem lang hielten. Nur die Unternehmen stellten dann fest: Wenn unsere Produkte halten, sprich nicht kaputt gehen - verkaufen wir kaum mehr neue. Also steckten sie viel Geld in die Erforschung von Nylonstrümpfen, die schnell kaputt gehen. Gut für das Unternehmen, aber die Müllberge wachsen dadurch stark.
  • Mode und Schuhe: Schaut mal in euren Schrank. Mal ehrlich: Wie viele Kleidungsstücke sind darin, die man nie anzieht? Wie viele Schuhe stehen im Schrank, die nie getragen werden. Schon über einen begehbaren Schuhschrank nachgedacht? Shoppen ist ja schließlich in... Und so kaufen viele Menschen Dinge, die sie überhaupt nicht brauchen. Die Schuhe sind ein Jahr alt, passen perfekt und sind nicht kaputt. Aber die Modewerbung sagt, dass sie einfach nicht mehr "in" sind. Also muss wieder etwas neues gekauft werden.
  • Sinnlose Arbeit: Um zu arbeiten benötigen wir in der Regel Hilfsmittel. Ein PC, ein Auto, ein Bürotisch etc. Und - um einmal das Auto zu nennen - auch Energie um dieses zu betreiben. Nur ist das was wir damit machen eigentlich sinnvoll? Beispiele: Wie oft haben Sie schon nervige Anrufe aus Callcentern erhalten, wo man Ihnen irgend etwas verkaufen möchte, dass sie gar nicht brauchen? Da werden also Leute beschäftigt und Ressourcen verbraucht um Ihnen etwas aufzuschwätzen. Und dieses Produkt - sofern Sie sich überreden lassen - verbraucht auch wieder Ressourcen. Und dann gibt es da Vertreter, die den ganzen Tag mit dem Auto unterwegs sind um andere davon zu überzeugen, doch etwas zu kaufen. Bitte nicht falsch verstehen: Da ist auch durchaus sinnvolles dabei. Aber in der Summe gesehen: Brauchen wir das wirklich? Verwenden wir nicht extrem viel Arbeitszeit und Aufwand darauf Dinge zu verkaufen um Umsatz zu generieren und nicht weil diese ein Anderer wirklich braucht?
  • Autonutzung: Die Zahlen in den Statistiken gehen auseinander. Aber so in etwa mit 5 Prozent wird die Nutzung von Autos angegeben. Heißt: Im Durchschnitt wird ein Auto in 5 Prozent der Zeit gefahren und steht in 95 Prozent der Zeit rum. Würde es gelingen die Auslastung im Durchschnitt von 5 Prozent auf 15, 20 oder gar 25 Prozent zu steigern (durch Carsharing) müsste man einen Großteil der Autos die wir haben gar nicht erst produzieren. Ich weiß, ich weiß... Was soll die Autoindustrie machen? Die ganzen Arbeitsplätze die daran hängen?

Merken Sie etwas? Es geht immer nur ums Geld und um Arbeitsplätze. Es geht nicht darum die Menschen mit dem zu versorgen, was diese brauchen. Es geht einfach immer nur um Umsatz, Gewinn und Marktanteile. Und dann heißt es in den Unternehmen, wir müssen mehr Absatz generieren um Umsatz zu erzielen. Schließlich brauchen wir ja Wachstum, Wirtschaftswachstum um jeden Preis, Unternehmenswachstum um jeden Preis. Und Hauptsache die Menschen haben Arbeit. Ich mache hier offiziell einen Vorschlag: Wir nehmen 1 Million Arbeitslose, die jeden Tag eine Grube ausheben und 1 Million Arbeitslose, welche diese Grube wieder zuschütten. Dann haben 2 Millionen Menschen Arbeit. Wir haben Arbeit für viel mehr Menschen und wir können wieder Wirtschaftswachstum damit generieren. Toll nicht? Das klingt etwas überspitzt, aber viele durchgeführte Arbeiten sind einfach sinnlos und dienen nur dazu Leute irgendwie zu beschäftigen und Umsatz zu genieren. Ein tolles Finanz- und Wirtschaftssystem haben wir uns da aufgebaut....

Wir bräuchten ein sinnvolles Finanz- und Wirtschaftssystem. Ein System, welches nicht auf Wachstum der Wirtschaft, sondern auf Versorgung der Bevölkerung mit dem Nötigen ausgelegt ist. Dann würden wir im Vergleich zu jetzt nur einen Bruchteil der Ressourcen verbrauchen. Und dann könnten wir viel mehr Menschen auf diesem Planeten nachhaltig versorgen. Die Menschen in den weiterentwickelten Ländern könnten den armen Ländern Unterstützung zukommen lassen, wenn es um die Versorgung mit Essen und Trinken geht. Auch hier ein kleiner Hinweis: Extrem viel Nahrung geht in den Müll, weil die Produkte nicht schön genug sind für den Verbraucher (krumme Gurke) oder wegen zu großer Mengen weggeworfen werden. Und würde die Bevölkerung weiter wachsen könnte auch problemlos mehr Essen produziert werden. Schließlich gibt es teilweise sogar Geld dafür Ackerflächen brach liegen zu lassen und nicht zu bebauen. Die Produktion von 1 kg Fleisch benötigt ein vielfaches an pflanzlicher Masse. Es würde im Durchschnitt(!!!) also auch helfen weniger Fleisch zu essen und würde - siehe auch diese Website hier - der Gesundheit gut tun.

Viele durchaus lebenswerte Regionen auf dieser Welt sind nicht bewohnt, hier wäre noch Platz für Menschen. Auch sehe ich keine Gründe, warum Menschen nicht in menschenfreundlichen Arkologien leben könnten. Eine Arkologie ist eine aus einem einzigen zusammengehörigen Gebäudekomplex gestaltete Stadt, welche eine Einheit aus Architektur und Ökologie bildet. Theoretisch könnte diese sogar auf dem Wasser gebaut werden.

Fazit: Sollte die Menschheit die Probleme mit der Alterung lösen können, müsste man sich wirklich über eine massive Überbevölkerung unterhalten. Jedoch zeigt dieser Artikel, dass man 1. Weiterhin Tote hat 2. Es Maßnahmen zur Geburtenbegrenzung gibt, man 3. den Planeten verlassen kann und 4. man sehr viel mehr Menschen versorgen könnte. Mit einem sinnvollen Wirtschaftssystem wäre der Ressourcenverbrauch ein Bruchteil des heutigen Industriemenschen. Sinnlose Arbeit wäre abgeschafft, die dabei zu verbrauchenden Ressourcen würde nicht mehr benötigt. Die Ernährung wäre mit dem technischen Wissen der Industrienationen schon heute lösbar. Man muss nur wollen.

Quellen und weitere Informationen:

  • http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberbev%C3%B6lkerung
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Empf%C3%A4ngnisverh%C3%BCtung
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Geplante_Obsoleszenz
  • http://www.hwr-blog.de/produkthaltbarkeit-%E2%80%93-die-geplante-obsoleszenz/
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Arkologie

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